Unternehmensbewertung – Fälle aus der Bewertungspraxis

Was hat ein Innovations-Wettbewerb mit Unternehmensbewertung zu tun?

Nur selten hat man Gelegenheit Unternehmensbewertungen für 10 völlig unterschiedliche UnterneIdeen die nicht gehenhmen aus verschiedensten Branchen, zur gleichen Zeit, nach gleichen Kriterien zu erstellen. Im Ergebnisvergleich haben wir damals höchst aufschlussreiche Erkenntnisse über Firmenstrukturen und Bewertungsfaktoren gewinnen können. Eine sehr lehrreiche Erfahrung für uns, quantitative und qualitative Unternehmenswerte zu ermitteln und diese zu vergleichen. Ebenso spannend war der Vergleich dieser Werte mit dem Image und dem Auftritt des jeweiligen Unternehmens. Aber das ist eine andere Geschichte…

Eine IHK hatte zusammen mit staatlichen Förderstellen einen gut dotierten Innovationspreis ausgeschrieben. Prämiert wurden in den verschiedenen Wertungskategorien insgesamt 10 Unternehmen. Die Preisträger-Unternehmen kamen aus allen Branchen. Und alle bis auf eines, ein Konzern-Unternehmen mit 800-Mitarbeitern, waren in der KMU-Grösse.

In den Jahren zuvor gab es immer wieder hochgelobte Preisträger, die kurze Zeit nach Preisverleihung Konkurs anmelden mussten. Manchmal war sogar nicht genügend Masse für eine ordentliche Konkursabwicklung vorhanden. Nicht ganz ungewöhnlich für Erfinder und Tüftler. Also ging man diesmal auf Nummer sicher und beauftragte uns eine Unternehmensbewertung für die Preisträger zu erstellen.

Der Fokus war primär auf die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen gerichtet. Der finanzielle Unternehmenswert gehört auch dazu, sagt aber nicht unbedingt etwas über die wirtschaftliche Qualität des Unternehmens aus. Weil diese qualitative Unternehmensbewertung eine spezielle Stärke von uns ist, erhielten wir diesen Auftrag.

Die von uns entwickelte „Röntgen-Methode“, auf der Basis real erwirtschafteter Erträge und Kosten, zeigt die innere Wirtschaftskraft und die innere Stabilität klar und eindeutig. Diese von uns entwickelte Methode zur Ermittlung des qualitativen Unternehmenswertes ist ein sehr aussagekräftiger Fitness-Check für Unternehmen. Damit zeigen wir den tatsächlichen Gesundheitszustand eines Unternehmens auf.

Eine kleine Pointe für Bilanzkundige sei hier noch angeführt. Unsere Berechnungen bestätigten allen Unternehmen gute wirtschaftliche Gesundheit. Allerdings beim größten Unternehmen, der Konzerntochter mit 800 Mitarbeitern nur wegen der Konzern-Zugehörigkeit zu einer weltbekannten Marke.

Nach den Bilanzen des Unternehmens war der operative Kernbereich des Unternehmens seit Jahren schwer defizitär. Ein positives Bilanzergebnis wurde ausschließlich über die Finanzerträge ausgewiesen. Überspitzt ausgedrückt hätte man auch sagen können, das es sich dabei um eine Vermögensverwaltung mit angeschlossener Hobby-Produktion gehandelt hat, rein bilanztechnisch gesehen.

So kann es aussehen, wenn die ausländische Konzernmutter internationale Steuer- und Bilanz-Strategien über ihre Tochtergesellschaften spielen lässt. Alles völlig legal natürlich Als Fahrzeugmarke ist das Unternehmen damals wie heute ein weltweiter Marktführer.

Roter Alarm beim Unternehmenskauf

„Die aktuellen Unterlagen sind noch beim Steuerberater“. feuerrmelder-300
Wenn in Kaufgesprächen dieser Satz an Stelle von Papier eingebracht wird, sollten beim aufmerksamen Käufer ganz schnell die roten Warnlampen angehen. Wer ernsthaft und fair verkaufen möchte, hat im Regelfall seine Unterlagen vollständig vorbereitet.

Dies ist eine gesicherte Erfahrung. Ein Großteil unserer Klienten in der Unternehmensbewertung beauftragt uns im Vorfeld, um den Wert des Unternehmens auf eine solide Grundlage zu stellen. Dazu müssen natürlich die aktuellen Unterlagen vorhanden sein.

Da kann es durchaus Verschleppung und Verschleierung geben, die dem unbefangenen Kaufinteressenten nicht ersichtlich sind. So erhielten wir die Anfrage eines Kaufinteressenten, ob wir auch bei unvollständigen Unterlagen eine Unternehmensbewertung durchführen könnten. Der Verkäufer könne noch keine aktuellen Bilanzen vorweisen. Lediglich Summen und Salden-Listen des letzten und des laufenden Wirtschaftsjahres würden zur Verfügung stehen.

Nun ist aus Summen und Saldenlisten nicht unbedingt ein exakter finanzieller Wert im Sinne eines Kaufpreises zu ermitteln. Eine Bestätigung und Plausibilitäts-Prüfung vorhandener Bilanzen und die Eingrenzung einer Bandbreite ist aber allemal damit möglich.

Beim Unternehmen handelte es sich um ein technisches Labor, unser Klient, war ein langjähriger Mitarbeiter. Der Verkäufer war der Gründer-Unternehmer, der in den Ruhestand gehen wollte. Der Betrieb florierte, ein zufriedenstellender Kundenstamm war vorhanden. Der Kaufpreis schien angemessen. Alles schien Bestens.

Aber nur bis zum Ergebnis unserer Bewertung. Die rote Warnlampe hatte uns nicht getäuscht. An Hand der Veränderung in den Buchhaltungspositionen konnten wir feststellen, dass der Verkäufer die vollständige Einrichtung kurz zuvor bereits an eine Leasinggesellschaft verkauft hatte. Sale und lease-back, ein ganz normaler unternehmerischer Vorgang.

Im vorliegenden Fall allerdings wäre die spezielle und kostenintensive Laboreinrichtung ein wesentlicher Bestandteil des Kaufpreises gewesen. Ohne diese Unternehmens-Ausstattung blieb jedoch nur ein Bruchteil an Verkaufswert übrig. Der Preis war um ein Vielfaches überhöht.

Für den Mitarbeiter war dieser Vorgang im Außen nicht sichtbar. Seit Jahren kannte er seinen Arbeitsplatz, sein Werkzeug, seine Maschinen. Die Eigentumsverhältnisse daran waren nicht ersichtlich. Der Verkäufer versuchte ganz offensichtlich das werthaltige Inventar zweimal zu verkaufen.

Unternehmer-Scheidung und Zugewinn – ein weites Thema für Juristen

Ein Teil unserer Unternehmensbewertungen betrifft die Ermittlung des Unternehmenswertes wenn sich ein Unternehmer-Ehepaar trennen möchte. Die meisten unserer Klienten lassen eine Unternehmensbewertung von uns erstellen, um sich möglichst einvernehmlich mit dem Zugewinn und der Aufteilung des Gütliche Einigung im ZugewinnUnternehmens auseinander zu setzen.

Besonders bemerkenswert fanden wir die Aussage eines Unternehmer-Ehepaares aus Hamburg. Die beiden Unternehmer hatten sich deswegen auf uns als Gutachter geeinigt, weil beide sicher waren, dass wir in keinerlei Verbindung zum jeweils anderen Partner standen. So waren wir mit unserem Standort in Südost-Bayern geographisch weit genug entfernt waren, um unparteiisch und unvoreingenommen das Unternehmen zu bewerten.

Manchmal haben wir allerdings auch strittige Fälle zu bearbeiten. In ausnahmslos allen Fällen haben wir gesehen, dass sich Rosenkriege in keiner Weise lohnen. Sie treiben lediglich die Kosten in die Höhe. Jeder kundige Gutachter, der die Situation zu würdigen weiß und in den Jahresabschlüssen hinter die Zahlen sehen kann, deckt versuchte Manipulationen auf. Sich dabei aufs „Glück“ zu verlassen und zu hoffen damit durch zu kommen ist höchst naiv und fällt unter sinnlose Trotzreaktion.
mehr dazu in unsere Info zur Unternehmerscheidung

Faire Unternehmensaufteilung?

Eine Personen-Gesellschaft und eine GmbH mit annähernd gleichem Umsatz, gleichem Ertrag und im gleichen Geschäftsfeld standen zur Aufteilung zwischen den Eheleuten. Scheinbar eine „faire“ Unternehmens-Aufteilung.

Nun scheint dies lediglich für den wirtschaftlichen Laien vergleichbar. Für den Fachmann ist eine solche Gegenüberstellung relativ klar. Es gilt die Unterschiede in den Bilanzen zwischen Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft zu berücksichtigen. Hier ist bei der Personengesellschaft unter anderem der „Unternehmerlohn“ zu berücksichtigen, der in der GmbH dem Gehalt des Geschäftsführers entspricht.

Unser Klient, der die Personengesellschaft erhalten sollte, war „gefühlsmäßig“ der Meinung, dass der Wert der GmbH höher sei und beauftragte uns mit einem Unternehmensvergleich.

Wir konnten in dieser vergleichenden Unternehmensbewertung eindeutige Unternehmenswerte ermitteln. Tatsächlich war der Wert der GmbH erheblich höher als der Firmenwert der Personengesellschaft. Durch unser Gutachten war eine klare und vor allem eindeutige Wertbasis für die Aufteilung des Vermögens gegeben.

Rosenkrieg lohnt sich nicht!

In einem anderen Fall, einem recht heftigem Rosenkrieg, versuchte einer der Partner die Vermögenswerte und Erträge des Unternehmens zu verstecken. Dazu nahm er kurz vor der Scheidungs-Auseinandersetzung mehrere Veränderungen in der Gesellschaftsform und in den Eigentumsverhältnissen des Betriebsvermögens vor.

Anstoß für die Unternehmensbewertung und Analyse war, wie weiter oben schon erwähnt die Verschleppung der Unterlagen. Das machte den Ehepartner bzw. seinen Anwalt misstrauisch. Und Recht hatte er.

Wir konnten zweifelsfrei nachweisen, dass verschwundene Werte nach wie vor vorhanden waren und in die Wertermittlung des Unternehmens einzugehen hatten. Die mühevollen Umstände, die sich der Unternehmer mit diversen Umgründungen und Auslagerungen gemacht hatte, waren völlig vergebens. Ebenso wie die damit verbundenen Kosten. Das hat Garnichts gebracht.

Erbschaft – Jungunternehmer mit 68!

Einen besonders krassen Fall von unsensibler und unangemessener Unternehmensbewertung hatten wir im Falle einer Erbschaftsauseinandersetzung, die sich über viele Jahre hinzog.

Unser Klient musste sich in einer Erbschaft mit einem Verwandten abmühen, der hohe Forderungen auf Grund eines früher festgestellten hohen Unternehmenswertes an ihn stellte.

Unser Klient berichtete, dass sein Vater, ein Einzelunternehmer im Genussmittelbereich, einige Jahre zuvor im Alter von 75 Jahren verstarb. Alleinerbin des durchaus rentablen Betriebes war dessen Ehefrau im Alter von 68 Jahren. Die Ehefrau war bis zum Antritt der Erbschaft kaum mit dem Unternehmen befasst. Der verstorbene Ehemann war die wesentliche Kraft im Unternehmen. Die Firma war einzig und allein auf die Person des verstorbenen Unternehmers zugeschnitten.

Im Zuge der Erbschaftsregelung wurde der Unternehmenswert von einem Fachmann der zuständigen IHK festgestellt. Dazu wurden die Leitlinien der HWK herangezogen, wonach der zu erwartenarmleuchter-400de Gewinn der nächsten 5 Jahre für die Bewertung heranzuziehen war.

Also erstellte der Berater(!) einen Marketing- und Ergebnisplan für die nächsten 5 Jahre und stellte nach diesem einen Unternehmenswert fest. Methodisch und juristisch unanfechtbar. Für die Praxis allerdings völlig untauglich.

Unserer Meinung nach eine völlig unverantwortliche Vorgangsweise. Wie man einer 68-jährigen Frau, die bis dahin keinerlei Erfahrung als Unternehmerin hatte, eine fremde Finanzplanung unterstellen kann, ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar.

Es kam wie es kommen musste. Das Unternehmen erreichte die angegeben Zahlen bei weitem nicht. Jahr für Jahr verringerten sich Umsätze und Erträge. Verluste wurden aus dem Grundbesitz der Familie ausgeglichen.

Schließlich starb nach 4 Jahren auch die Mutter im Alter von 72 Jahren. Das Unternehmen ging nun an unseren Auftraggeber und dessen Geschwister über. Unser Klient wollte den verbliebenen Betrieb weiterführen und hatte dazu auch schon aussichtsreiche Ideen für die Wiederbelebung. Dazu war es allerdings erforderlich seine Geschwister anteilsmäßig auszuzahlen.

Nun gingen die Geschwister bei ihren Forderungen von dem Unternehmenswert aus, der beim Tode des Vaters festgestellt wurde. Dazu gehörten auch die ominösen Finanzplanungen. Diese Unternehmensbewertung war allerdings viel zu hoch, die damaligen Planungen wurden bei weitem nicht erreicht.

Wir konnten an Hand der aktuellen und der historischen Jahresabschlüsse realistische Unternehmenswerte für beide Erbschafts-Zeitpunkte herstellen. Damit konnte die Erbauseinandersetzung zu einem befriedigenden Ergebnis weitergeführt werden.